Dienstag, 16. Mä 2010, 18.15 - 19.45 Uhr    
ETH Zürich-Zentrum, Rämistr. 101, Hauptgebäude, Hörsaal HG E3

  Podiumsgespräch   –   20 Jahre Dozentenforum  

Die Nahrungsmittelkrise im Konfliktfeld globaler Akteure und lokal Betroffener
Antworten aus unternehmensethischer und christlicher Sicht

Roland Decorvet
Diomandé Fan


 

Im Jahr 2009 hat die Zahl der Hungernden erstmalig die Milliardengrenze überschritten – und dies trotz aller Entwicklungsanstrengungen und dem international anerkannten Millenniumsziel, bis zum Jahr 2015 die Zahl der Hungernden zu halbieren. Zeitungskommentare sprechen von einem Skandal. Doch wie können wir darauf reagieren? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es im Norden und im Süden? Welche Rolle spielt die Nahrungsmittelindustrie für den Zugang zu ausreichender und gesunder Nahrung? Welcher Zusammenhang besteht mit der Energieversorgung – unserer eigenen und derjenigen der Ärmsten?

Es geht im Podiumsgespräch zweier ausgewiesener Vertreter der Industrie und der Entwicklungszusammenarbeit um das Verständnis für diese zentrale Millenniumsfrage aus dem doppelten Blickwinkel der globalen Akteure und der lokal Betroffenen. Es geht um die Frage, ob wir uns eine neutrale Zuschauerrolle noch leisten können. Als derzeit noch Privilegierte sind wir zu einer Antwort herausgefordert – als Gesellschaft, als Verantwortungsträger, als Einzelne. Könnte diese Herausforderung vielleicht zur Testfrage unserer persönlichen Ethik und eines in der Verantwortung für den Nächsten gelebten Glaubens werden?


 
Über die Referenten:
Roland Decorvet war nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften in St. Gallen während 17 Jahren für den Nahrungsmittelkonzern Nestlé in Asien tätig, zuletzt als Generaldirektor in Pakistan, wo er in einem heiklen politischen Umfeld für den Aufbau einer nachhaltigen Milchwirtschaft verantwortlich war. Seit zwei Jahren ist er Generaldirektor von Nestlé Schweiz. Sein Engagement als Christ hat unter anderem zu seiner Wahl in den Stiftungsrat des Hilfswerks der evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) geführt – Anlass zu einer engagiert geführten Diskussion über Zielkonflikte zwischen Unternehmenspolitik und Engagement für die Armen.
Diomandé Fan ist gebürtiger Ivorer mit deutscher Staatsangehörigkeit. Nach preisgekröntem Abschluss seines Agronomiestudiums an der Universität Kassel war er mit «Christliche Fachkräfte International» in seiner Heimat, der Elfenbeinküste, tätig. Nach Ausbruch des Bürgerkriegs arbeitete er als Entwicklungsberater in einem «poverty hot spot» in Uganda unter marginalisierten Bevölkerungsgruppen. Derzeit ist er Mitarbeiter einer Unternehmung in Hessen zum Vertrieb von Solaranlagen in Afrika.

 

Organisiert wird der Vortrag gemeinsam mit CAMPUS live